Das Neonorange der Wand zerrt an den Netzhäuten.

25.07.2017
agentur3

Am schweren Eichentisch, der Seele der Agentur, Paul Wagner, Oliver Diehr und Norbert Herold. Ersterer ist eigentlich Diplom-Theologe, heute aber Texter und Agenturchef. Der Zweite preisgekrönter Creative Director, der unter anderem das neue globale Corporate Design von McDonald’s gestaltet hat. Der Dritte macht seit vier Jahrzehnten Werbung und hat in dieser Zeit so ziemlich jeden Preis seiner Zunft gewonnen, den es zu gewinnen gab. Zusammen sind sie – ja, was eigentlich? Die drei Musketiere? Drei Mann in einem Boot? Die drei Fragezeichen? Und wenn ja, was haben ihre Kunden davon?

Ihr drei seid ein ungewöhnliches Gespann, wie habt ihr euch gefunden?

PW: Unsere Wege kreuzten sich in den vergangenen Jahren bei verschiedenen Projekten immer wieder. Irgendwann blieben wir aneinander hängen – bei Norbert vermutlich, weil er einen Texter brauchte, dem er seine Ideen diktieren kann (lacht), denn Norbert schreibt mit der Einfingertechnik. Nett anzuschauen, aber doch ein wenig langsam. Oliver hab ich mir beim Fliegenfischen gefangen.

Was verbindet euch?

NH: Wir denken und arbeiten ähnlich, sind neugierig und abenteuerlustig. Wir lieben Qualität und gehen gerne noch zwei Schritte weiter als notwendig.
OD: Die Fähigkeit erst nachzudenken und dann zu handeln, d.h. wir drei sind darauf gepolt Aufgaben planvoll anzugehen. Eigentlich ungewöhnlich für Kreative, stimmt’s?
PW: Respekt und Freundschaft gehören ebenfalls dazu. Deshalb können wir auch viel voneinander fordern. So entstehen schöne Ergebnisse.

Was sind das: schöne Ergebnisse?

PW: Gute Werbung. Werbung, die eine überraschende, charmante und eingängige Geschichte erzählt, wie zum Beispiel unsere preisgekrönte Dr. Orbeck-Anzeige. Werbung, an die ich als Verbraucher mich erinnere und von der ich gerne erzähle, weil sie mich berührt oder verblüfft. Weil sie mir ein Lächeln entlockt und mir einen positiven Eindruck einer Marke verschafft. Auch einer, die ich vielleicht gar nicht so sehr mag.
NH: Gute Werbung ist visuell und handwerklich überzeugend. Sie hat ein strategisches Ziel, nützt Unternehmen und steigert den Wert einer Marke.

Das klingt anspruchsvoll. Machen die Kunden das mit?

NH: Wenn Sie unsere Leidenschaft für gute Werbung teilen, ja. Die allermeisten Kunden und Konsumenten sind offene, humorvolle und ästhetische Menschen. Zu denen passen wir.
OD: Es gibt einen FREIE RADIKALE-Satz, den wir mantrahaft wiederholen: Wir kämpfen für unsere Ideen. Wenn es sein muss auch mit unseren Kunden. Aber am Schluss fallen wir uns alle in die Arme. Das hat sich bisher immer bestätigt.

Warum sollte ich FREIE RADIKALE beauftragen?

OD: Bei uns gibt es keine Agenturmaschinerie, die erst in Gang gesetzt werden muss. Mit uns arbeitet man face to face, ohne Zwischenebene. Unsere Kunden haben es immer direkt mit der Kreation zu. Das beschleunigt die Entscheidungen. Wir kommen schneller voran.

PW: Weil wir keinen Dienst nach Vorschrift machen. Wir machen das Anliegen eines Kunden zu unserer Sache und geben nicht auf halbem Wege auf. Ein Beispiel ist die Sing Sang-Sauce. Die war zwar schon früher eine tolle, gut schmeckende Sauce. Sympathisch und auffällig wurde sie aber durch unsere Hilfe. Schritt für Schritt haben wir eine komplette Markenwelt aufgebaut. Produkt und Auftritt passen jetzt perfekt zusammen.

Machen das andere Agenturen nicht ebenso?

NH: Ich glaube nicht. Nicht in dieser Konsequenz. Wir wollen Marken und Produkten möglichst nahe kommen. Ein anderes Beispiel: Für einen Kunden aus dem Bereich intelligente Gebäudesteuerung entwickelten wir einen Namen, ein Logo und einen Claim. Dabei blieben wir aber nicht stehen. Wir entwickelten auch das Design und das Leitbild für das Programmieren der App-Oberfläche. Wenn Produkte, Marke und Werbung sich so durchdringen, entsteht ein besonderer Mehrwert für den Kunden.

Worauf möchtet ihr in 5 Jahren stolz zurückblicken?

PW: Dass wir uns immer noch nicht in eingefahrenen Bahnen bewegen. Dass wir uns nicht aus irgendwelchen Reklame-Schubladen bedienten, sondern frische, individuelle Lösungen entwickelten. Dass wir mit unseren Kunden gewachsen sind und jetzt auch in Hamburg, London und New York sitzen (und uns und die Verbraucher hoffentlich nicht langweilen).
NH: Dass wir uns unsere Leidenschaft für gute Werbung bewahrt haben. Und dass ich mir vor zwei Jahren endlich einen Chauffeur leisten konnte. (lacht)

Interview: Peter Gaide

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